Die richtige Dämmung historischer Gebäude

Historische Gebäude zu dämmen erfordert besonderen Aufwand, denn sie müssen in der Regel von innen gedämmt werden. Doch Montagekleber, die die Isolierplatten an den Innenwänden halten, zerstören darunter liegende alte Anstriche.

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Online seit: 22.04.2015 | Themenbereich: Innenausbau
Die richtige Dämmung historischer Gebäude

Ein spezieller Putz lässt sich nun bei Bedarf rückstandsfrei entfernen.

Da im historischen Gebäudebau etwa Ziegel- oder Stuckfassaden erhalten werden sollen, gibt es bei einer energetischen Sanierung eines solchen Gebäudes nur die Möglichkeit einer Innendämmung. Doch auch die Innenwände in historischen Gebäuden haben es in sich: Spachtelt man in manchen alten Häusern die Tapeten ab, kommen häufig unter der ersten Schicht zahlreiche ältere Farbschichten zum Vorschein – etwa mit ornamentalen Mustern und Schablonenmalerei oder anderen Dekoren. Denkmalschützer bringt das zum Schwärmen, denn hier lassen sich oft über 200 Jahre Wohnkultur nachlesen.

Bisher ist es nicht möglich, Häuser mit solch antiken Schichten durch eine Innendämmung energetisch zu sanieren – denn die Montagekleber, die die Dämmplatten an den Wänden halten, würden die darunter liegenden alten Anstriche zerstören, und da sträuben sich dem Denkmalschützer und auch manchem Bauherren die Haare. Wie sich historische Gebäude aber dennoch von innen dämmen lassen, ohne die wertvollen Farbschichten und Putze unwiederbringlich zu zerstören, zeigten nun aktuell Forscher vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP auf der Messe Denkmal in Leipzig.

Die Lösung ist ein besonderer Putz – er kann direkt auf die Farbschichten aufgetragen und bei Bedarf rückstandsfrei abgelöst werden. Ähnliche Verfahren gibt es bereits in der Restaurierung von Wandmalerei. Diese wurden nun in die energetische Sanierung überführt und dazu ein komplett neuartiges Putz-System entwickelt. Mit diesem reversiblen Mörtel als Basis können die Wissenschaftler beliebige Putz- und Dämmsystem aufbringen. Doch trotzdem sei bei der Innendämmung generell Vorsicht geboten: Bei nicht fachgerechter Dämmung kann sich Feuchte hinter den Dämmmaterialien absetzen und die historischen Schichten zerstören. Wer sich für eine Innendämmung entscheidet, sollte grundsätzlich mehrere Fachmeinungen einholen, denn die Aufgabe ist sehr viel kniffliger als bei einer Außendämmung.

Es gilt vor allem auch, das richtige Dämm-Material zu wählen. Das untersuchen die Forscher in der alten Schäfflerei am Fraunhofer-Zentrum für energetische Altbausanierung und Denkmalpflege im Kloster Benediktbeuern. Das Spektrum der untersuchten Dämmmaterialien reicht von traditionell bis ganz modern: althergebrachte Schilfrohrmatten ebenso wie kapillaraktive Mineralschaumplatten, die eingedrungene Feuchtigkeit zurück in den Innenraum transportieren sollen. Auch zwei hochdämmende Aerogel-Dämmputze analysieren die Forscher. Und auch das patentierte Plattenmaterial aus Rohrkolben wurde in den Laboren des IBP entwickelt. Rohrkolben-Dämmung ist gut dämmend, von Natur aus schimmelresistent und hervorragend gegen Feuchtigkeit gerüstet.

Ob und wenn ja wie viel Feuchte sich hinter diesen Materialien ansammelt, überprüfen die Forscher anhand von rechnerischen Simulationen sowie durch permanente Messungen – bei Beheizung des alten Gemäuers und gleichzeitiger hoher Raumfeuchtigkeit im Winter. Die Forscher schätzen, dass in zwei bis drei Jahren reversible Innendämmungen für historische Gebäude marktreif sein könnten.


Bildquelle: Fraunhofer Institut (IBP)

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Redaktion Bauwohnwelt