Stauraum Stiegenhaus

In Mehrfamilienhäusern ist es kein ungewohntes Bild: Geht man durch das Stiegenhaus, kommt man an Schuhen, Fahrrädern, Kinderwägen, Blumentöpfen oder – was am Schlimmsten ist – zwischengelagerten Müllsäcken vorbei. Dies führt zwischen den Nachbarn oftmals zu Streit – und ist eigentlich auch verboten.


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Ist die Wohnung samt Abstellraum zu klein, das Kellerabteil zu feucht oder finster oder der Fahrradabstellraum zu voll, wird von manchen Hausbewohnern das Stiegenhaus als Erweiterung der eigenen Wohnung betrachtet. Lässt sich über Topfpflanzen als Deko-Element noch streiten, ist man doch das erste Mal sauer auf den Nachbarn, wenn man über seine Schuhe stolpert oder einem der Mistgeruch in die Nase steigt. In der Tat ist die Benutzung des Stiegenhauses zum Abstellen von Schuhen oder Schirmen eine Inanspruchnahme der Allgemeinfläche der Liegenschaft.

Handelt es sich bei der Immobilie um ein Wohnungseigentumsobjekt, ist das Abstellen von Schuhen vor der Wohnungstür nur dann erlaubt, wenn andere Miteigentümer ihre Zustimmung geben. Im Streitfall kann ein Außenstreitsrichter die Genehmigung erteilen. In einem Zinshaus kann der Mieter vom Vermieter aufgrund von Nicht-Einhaltung der Hausordnung auf Unterlassung geklagt werden.
Sogar dann, wenn man sich mit den Miteigentümern oder dem Vermieter geeinigt hat, müssen trotzdem noch andere Aspekte beachtet werden. Zum einen ist es hygienischer, wenn niemand seinen Müll am Gang abstellt. Außerdem müssen die Brandschutzvorschriften berücksichtigt werden. Muss die Feuerwehr einmal anrücken und kann die Löschgeräte aufgrund des vollgestellten Stiegenhauses nicht zum Einsatz bringen, kann dies schwere Folgen haben. Sind die Stiegenhäuser, Gänge und Eingangshallen großzügiger angelegt, als in der jeweiligen Bauordnung festgelegt, sind Schuhe und Blumentöpfe kein Problem. Kommt es aber zu einer feuerpolizeilichen Kontrolle, muss man damit rechnen, dass Gegenstände dort dennoch beanstandet werden. Dies gilt vor allem für leicht brennbare Gegenstände, wie Möbel – auch ein auf dem Gang aufgestelltes Regal wäre kein Einzelfall. Sollte jemanden im Ernstfall über die auf dem Gang abgestellten Dinge stolpern, kann der Besitzer dieser Gegenstände sogar haftbar gemacht werden. Deshalb sind die Gänge und Stiegenhäuser als Fluchtwege immer freizuhalten.
Ob das wirklich immer so passiert und die Allgemeinflächen frei von Blockaden sind, wird in letzter Zeit immer strenger kontrolliert. Grund dafür sei teilweise, dass es immer häufiger Fälle gibt, in denen Schadensersatz gefordert wird, wenn sich jemand an den falsch platzierten Gegenständen verletzt hat.

Anton Holzapfel vom Österreichischen Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI) erklärt, dass es immer mehr Fälle von Schadensersatzforderungen gibt. Er spricht von einer „Amerikanisierung des Schadenersatzsystems“ – die Eigenverantwortung werde immer geringer, so der Experte.
So sind die Strafen in Österreich nicht gerade ohne. Wer mit seinem Hab und Gut das Stiegenhaus blockiert bzw. es dort einfach lagert, kann zu einer Straße von bis zu 21.000 Euro verurteilt werden – da wäre eine gemietete Storage-Möglichkeit eventuell die bessere und sicherere Möglichkeit, um seine Sachen aufzubewahren.


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