Keine Chance für Elektrosmog

Elektrosmog ist unser ständiger Begleiter – in- und außerhalb unserer Wohnungen. Er wirkt somit in unterschiedlicher Stärke auf uns ein. Zumindest innerhalb der eigenen vier Wände kann man ihn reduzieren.


Online seit: | Themenbereich: Hauselektrik

Er ist immer da – und das 24 Stunden am Tag. Künstliche elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder sind fast überall in unserer Umwelt vorhanden. Elektrosmog entsteht nämlich überall dort, wo sich Stromleitungen, Sendeantennen und elektrische Geräte befinden bzw. in Betrieb sind. Je nach Frequenz unterscheidet man dabei niederfrequente oder hochfrequente elektromagnetische Felder.
Von Niederfrequenz wird dann gesprochen, wenn die Frequenz des Stromes, das ist die Anzahl der Schwingungen pro Sekunde, unter 100 Kilohertz liegt. Sie entstehen hauptsächlich im Zusammenhang mit der Stromversorgung, also rund um Verteilerkästen und Versorgungsleitungen, beziehungsweise beim Gebrauch elektrischer Geräte wie Waschmaschine, Radiowecker oder Elektroherd. Weil die Feldstärke aber bei wachsender Entfernung zur Stromquelle stark abnimmt, sind bei einer Entfernung von 50 Metern nur noch Werte im Mikrobereich messbar.
Hochfrequente Felder werden hingegen überwiegend durch drahtlose Kommunikationstechniken wie Radio, Fernsehen, Mobilfunk oder Radar erzeugt. Ihr Schwingungsbereich liegt zwischen 100 Kilohertz und 300 Gigahertz - dabei treten elektrische und magnetische Felder immer parallel auf. Anders als ihre niederfrequenten Kollegen können sich hochfrequente Felder von ihrer Quelle, wie beispielsweise Mobilfunksendemasten, aber auch Handys, Mikrowellenherden oder WLAN-Stationen, ablösen und wellenförmig ausbreiten. Darüber hinaus lassen sie sich nicht so leicht abschirmen.

Eines haben beide Arten von Elektrosmog gemeinsam: sie wirken auf Mensch und Tier. Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Erschöpfungszustände oder auch Schlafstörungen werden häufig auf Elektrosmog zurück geführt. Aber auch das Nervensystem, der Hormonhaushalt und viele andere Zellfunktionen können verschiedenen Studien zufolge durch ihn beeinflusst und gestört werden. Im Jahr 2001 klassifizierte die Weltgesundheitsorganisation auf Basis von Kinderleukämie-Studien niederfrequente elektromagnetische Felder als möglicherweise krebserregend. 2011 wurden die Hochfrequenzen ebenso als möglicherweise krebserregend eingeschätzt. Kein Wunder, dass Öffentlichkeit und Fachwelt nach wie vor lebhaft die gesundheitsschädigenden oder zumindest das Wohlbefinden beeinträchtigenden Auswirkungen diskutieren.

Wenn man schon die Einflüsse von außen kaum reduzieren kann, so hat man zumindest in den eigenen Innenräumen dazu die Möglichkeit. Denn mit rund 80 Prozent des messbaren Elektrosmogs ist nach Schätzungen von Baubiologen ein Großteil des messbaren Elektrosmogs hausgemacht. Und das mit ganz einfachen Maßnahmen, ganz nach dem Motto: Kleiner Aufwand, große Wirkung: Werden Geräte ganz ausgeschaltet statt im Stand-by-Modus zu laufen, wird auch kein Elektrosmog erzeugt. Geräte, die dauerhaft in Betrieb sind, sollten in größtmöglicher Entfernung zu den Bewohnern stehen oder liegen. Das heißt beispielsweise: Handy weg vom Nachtkästchen. In diesem Zusammenhang empfiehlt es sich auch, entweder ganz auf WLAN zu verzichten oder zumindest einen Router mit Zeitsteuerung zu wählen. Auch die Installation eines Netzabkopplers kann hilfreich sein.
Damit vor allem die vorbeugenden Maßnahmen jedoch greifen, sollte vorab geklärt werden, ob es sich um elektrische oder magnetische Felder oder elektromagnetische Strahlung handelt. Auch die Stärke der Quellen, deren Abstand vom Körper und die Dauer der Einwirkung sollte dabei berücksichtigt werden.

Wer aber zur Gänze frei von elektromagnetischen Feldern leben will, dem sei die rund 33.700 Quadratmeter umfassende „National Radio Quiet Zone“ rund um das Dorf Green Bank im US-Bundesstaat West Virginia ans Herz gelegt. In der 1958 per Regierungsdekret eingerichteten Zone, dem Zentrum der amerikanischen Astronomie, befindet sich neben anderen Forschungseinrichtungen und militärischer Infrastruktur auch das berühmte Green-Bank-Teleskop. Dieses ist mit einer Reflektorfläche von über 7.800 Quadratmetern nicht nur das größte voll bewegliche Teleskop der Welt, sondern gilt darüber hinaus als wichtigstes Ohr für die Suche nach Leben in den Galaxien des Weltalls. Damit das Green Bank-Teleskop und die anderen Teleskope Strahlungsmuster von Sternen ungestört auswerten können, wurde und wird jede elektromagnetische Störquelle ausgeschaltet. Stromleitungen müssen mindestens 1,2 Meter unter der Erde verlegt werden, Radiostationen dürfen nicht in das Gebiet einstrahlen und Handys und andere elektrische Geräte sind Tabu. Die Einhaltung der elektromagnetischen Ruhe wird laufend mit Messgeräten und Richtantennen überwacht.


So können Sie elektromagnetische Strahlungen vermeiden bzw. reduzieren

  • Achten Sie beim Grundstückskauf darauf, ob sich Hochspannungsleitungen, Bahnstromanlagen oder Transformatore in der Nähe befinden
  • Elektroinstallationen sollten vorzugsweise mit geschirmten Mantelleitungen und geschirmten Installations- und Hohlraumdosen ausgeführt werden. Dies trifft insbesondere bei Leicht- und
    Holzbauweisen sowie Aufputzinstallationen zu.
  • Magnetische Wechselfelder können durch Kompensationsmaßnahmen in ihrer räumlichen Ausdehnung stark reduziert werden. Dazu sind Hinleiter (Phase) und Rückleiter (Neutralleiter)möglichst nahe aneinander zu führen und nach Möglichkeit zusätzlich zu verdrillen.
  • Mit einem Zweiphasenschalter können ungeschirmte Geräteanschlusskabel bzw. Geräte spannungsfrei abgeschalten und damit feldfrei geschalten werden
  • Ziehen Sie immer den Netzstecker, wenn Sie elektrische Geräte nicht verwenden
  • Wenn Sie WLAN verwenden, wählen Sie einen Router mit Zeitschaltfunktion. Oder verbinden Sie den PC mittels Kabel mit dem Internet
  • Schalten Sie das Handy aus, wenn es nicht benutzt wird. Vermeiden Sie Telefonate, wenn die Verbindung schlecht ist. Beim Kauf eines Handys achten Sie auf den SAR-Wert, er gibt an, wie stark das Gerät strahlt.
  • Wenn Sie einen Induktionsherd habe, der die Speisen durch ein magnetisches Wechselfeld erhitzt: Verwenden Sie immer Töpfe, die das Kochfeld ganz abdecken – so möglichst wenig Strahlung nach außen.

In Österreich sind die Grenzwerte in der Norm ÖVE/ÖNORM E8850 festgelegt und definieren den „Stand der Technik“. Da das Elektrotechnikgesetz fordert, elektrische Geräte und Anlagen nach dem Stand der Technik zu errichten und zu betreiben, besteht die gesetzliche Verpflichtung, die Grenzwerte einzuhalten.


© bauwohnwelt.at
Redaktion Bauwohnwelt