Alarmstufe Rot – Blitzableiter nachrüsten

In den Sommermonaten Juni bis August ist das Gewitterrisiko fünfmal höher als in den anderen Monaten. Allein im Juli 2017 registrierte das Österreichische Blitzortungssystem ALDIS 47.000 Blitzeinschläge.


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Wer sich ein bisschen mit Statistik auskennt, dem ist damit klar: es ist gar nicht mal so unwahrscheinlich, dass ein Blitz im näheren Umkreis einschlägt. Gut, das ist ja kein Problem, in das eigene Haus wird der Blitz schon nicht einschlagen und ich muss nicht nachrüsten, sagt sich da so manche Person. Ein fataler Denkfehler. Akute Einschlagsgefahr besteht schon, wenn zwischen Blitz und Donner weniger als 30 Sekunden liegen.
Normalerweise sollte die Spannung im Stromnetz in jedem Haus bei 230 Volt liegen. Wenn allerdings der Blitz in der Nähe einschlägt, können ohne einen Blitz- oder Überspannungsschutz schnell deutlich höhere Spannungen auftreten. Elektronische Geräte wie Fernseher, Computer oder sogar die Kaffeemaschine sind jetzt besonders gefährdet – sie können kaputtgehen, brennen oder im schlimmsten Fall explodieren. Ob und welche Schäden entstehen, ist von der Höhe und von der Dauer der Überspannung abhängig. Wenn der Blitz direkt in das Haus einschlägt, treten schwere Schäden natürlich am häufigsten auf.

Aber warum ist das so? Der Blitzstrom sucht immer den Weg Richtung Boden. Ein Teil davon entlädt sich oft in den Strom- und Telefonnetzen, löst die Überspannung aus und kann damit sogar Geräte in drei Kilometern Entfernung beschädigen.

Wahlpflicht

In Neubauten ist ein Blitzableiter mittlerweile Pflicht. Dieser leitet den Blitzstrompfad am Haus vorbei und schützt damit nicht nur die Bewohner des Gebäudes. Besitzer eines alten Hauses müssen bisher keinen Blitzableiter anbringen. Es ist jedoch nur zu empfehlen, um wenigstens direkte Schäden durch einen Blitzeinschlag ins Haus zu verhindern. Richtig geschützt ist man vor Blitzschäden aber erst, wenn man innen und außen vorsorgt. Der äußere Blitzableiter besteht aus den drei Komponenten Fangeinrichtung, Ableitung und Erdung und kann selbstständig oder von einem Fachmann am Haus angebracht werden – aber Achtung: manche, beispielsweise besonders hohe, Häuser haben einen gesetzlich vorgeschriebenen Blitzschutz. Hier muss immer der Fachmann ran.

Entspannung statt Überspannung

Ergänzt wird der Blitzableiter durch den inneren Blitzschutz. Der Einbau einer Haupterdungsschiene verhindert die bereits erwähnten gefährlichen Überspannungen in Gebäuden. Dafür werden beispielsweise Gasleitungen, Stahlkonstruktionen oder die Erdungsleiter von Fernsehen und Telefon mit der neuen Schiene verbunden – der Blitz wird damit unschädlich gemacht. Dafür, dass man nach dem Einbau des äußeren und inneren Schutzes bei Gewittern keine Angst mehr haben muss, kostet der Einbau vergleichsweise wenig: der Eigentümer muss bei einem Einfamilienhaus mit rund 2.500 Euro rechnen.

Ob man sich als Hauseigentümer nun vor Überspannung, einem direkten Blitzeinschlag oder gleich vor beidem schützen will – eine Nachrüstung im Altbau ist immer sinnvoll. Alle zehn Jahre steht allerdings eine fixe Funktionsüberprüfung der inneren und äußeren Anlagen an. Der Entspannung steht dann nichts mehr im Wege.


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Redaktion Bauwohnwelt