Raumluft ohne Gifte

Ein schlechtes Raumklima macht nachweislich krank. Trotzdem herrscht in vielen Wohnungen und Häusern immer noch „dicke“ Luft. Das lässt sich ändern, allem voran mit der Wahl der richtigen Baumaterialien.


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Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt verschmutzte Luft das weltweit größte Gesundheitsrisiko dar. Keine Naturkatastrophe der Welt kostet so viele Leben wie die Verschmutzung der Luft. Auch wenn sich die Außenluft der europäischen Industriestaaten durch gezielte Maßnahmen in den letzten Jahren verbessert hat, ist das Problem nicht verschwunden: Es hat sich von der Außenluft auf die Innenluft verlagert. Es wird zwar nicht mehr auf offenem Feuer gekocht, aber in den heimischen vier Wänden gibt es andere Einflüsse: Feinstaub, Schimmel, Bioaerosole und insbesonders flüchtige organische Verbindungen (VOC) sind als Haupttäter zu nennen.

Durch die Belastung mit beispielsweise VOC in der Innenraumluft können Menschen dauerhaft erkranken. Und es gibt sogar schon einen eigenen Begriff, der die Symptome wie Kopfschmerzen, Allergien, Müdigkeit, Leistungsminderung, Schlafstörungen und Reizungen der Atemwege beschreibt: „Sick-Building-Syndrom“.

Die Quellen der Schadstoffe, die auf unsere Wohngesundheit wirken, sind nicht zu unterschätzen: Vor allem Farben, Kleber oder Bodenbeläge können flüchtige organische Verbindungen (VOC), Weichmacher und andere Wohngifte an die Raumluft abgeben. Besonders bekannt ist Formaldehyd aus der Verklebung von Spanplatten. Sie kommen oft bei Holzwerkstoffen, Möbeln, aber auch bei Bodenbelägen vor.
Aber auch Holzschutzmittel und andere Biozide können starke Beschwerden bei den Bewohnern verursachen – teilweise über extrem lange Zeiträume. Holzschutzmittel mit PCP (Pentachlorphenol) beispielsweise, die in den 1960er Jahren auch im Innenraum verwendet wurden, können noch immer in der Raumluft messbar sein. Zu langanhaltenden Belastungen führen oft auch Glykole: Sie verdunsten langsamer als konventionelle Lösemittel und sind ebenfalls in Klebern, Lacken und Versiegelungen zu finden.

Während Asbest mittlerweile in den meisten Industrieländern verboten ist, wird es in Entwicklungs- und Schwellenländern aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen immer häufiger eingesetzt. Das ist nicht nur eine Zumutung für die Menschen, die dort leben, leider gilt auch: Vorsicht ist bei Importen geboten!
Als gesundheitsschädlich wird auch Dimethylsulfat eingestuft. Es wird als Rohstoff unter anderem für die Herstellung von Farben verwendet. Ebenso sollte NMP (N-Methyl-2-pyrrolidon) vermieden werden. Es ist oft Bestandteil von Abbeizmitteln und Farbentfernern, wird aber auch in Lösemitteln im Parkettlegebereich eingesetzt. Bei der Herstellung von Polyurethan-Schaum (PU-Schaum) und Pigmentdispersionen findet NMP auch Verwendung.

Geprüfte Materialien

Eine der zentralen Aufgaben bei der Errichtung oder Sanierung neuen Wohnraums sollte daher auch die Schaffung eines optimalen Raumklimas sein. Nur dadurch kann für den Nutzer ein Optimum an körperlichem Wohlbefinden erreicht und damit die beste Grundlage für „gesundes Wohnen“ gewährleistet werden. Solche Lösungen erfordern allerdings fundiertes Wissen und so ist es für alle Bauherren ratsam, den Wunsch nach „schadstoffarmem Bauen“ auch an Architekten, Planer oder Bauträger weiterzuleiten. Sie verfügen meist über das nötige Know-how, wie belastende Bau- und Ausbaustoffe vermieden werden können. Nur im Zusammenspiel mit hochwertigen schadstoffarmen Materialien und Oberflächen kann das Raumklima nachhaltig optimiert und für den Nutzer die Qualität des Gebäudes auch „fühlbar“ gemacht werden.

Einmal eingezogen in das neue Heim, kommen weitere Einflussfaktoren für eine gute Raumluft hinzu. Physikalische Komponenten wie Luftfeuchtigkeit, Raumtemperatur, Staub und Feinstaub. Die optimale relative Luftfeuchtigkeit liegt zwischen 40-60 Prozent, wie zahlreiche Untersuchungen und Studien belegen. Die Werte sind nicht nur Wohlfühlfaktor, sondern haben nachweislich Einfluss auf die Gesundheit. Ist die Luft zu trocken, kann dies zu gereizten und trockenen Schleimhäuten führen und Bakterien wie Viren dringen leichter ein. Betroffen sind meist Augen, Nase und der Rachenraum.
Ist die Luftfeuchtigkeit zu hoch, ist die Gefahr einer gesundheitsgefährdenden Schimmelbildung gegeben. Außerdem ist der Energiebedarf erhöht.
Die Luftfeuchtigkeit kann leicht mit einem handelsüblichen Hygrometer überwacht werden. Natürliche Baustoffe wie etwa Ziegel, Ton, Sand, Lehm oder Kalkstein haben eine feuchtigkeitsregulierende Wirkung und somit raumklimatisch gute Eigenschaften. Zudem kann durch richtiges Lüften und Heizen die Luftfeuchtigkeit geregelt werden. Zum Lüften sollten mehrmals täglich für einige Minuten die Fenster vollständig geöffnet werden- gekippte Fenster sind für eine Lüftung nicht sehr wirkungsvoll und zu viel Energie wird verschwendet.


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Redaktion Bauwohnwelt