Bitte nicht stören!

Lärm ist nicht nur störend, er kann sogar die Gesundheit beeinträchtigen. Das Problem dabei: er wird individuell unterschiedlich wahrgenommen und bewertet.


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„Lärm ist das Geräusch der anderen“, sagte schon Kurt Tucholsky. Aber was sind eigentlich Geräusche? Geräusche entstehen durch Druckschwankungen in der Luft, die sich aus vielen Schwingungen mit unterschiedlichem Schalldruck und unterschiedlichen Frequenzen zusammen setzen. Dadurch empfinden wir sie als laut oder leise beziehungsweise als hoch oder tief. Die jeweiligen Geräusche werden über unsere Ohren als Schall wahrgenommen. Die Empfindlichkeit des Gehörs hängt wiederum vor allem davon ab, wie gesund die Sinneshärchen im Hörorgan sind. Diese können allerdings durch Lärm vorübergehend oder dauerhaft geschädigt werden. Als Lärm werden Geräusche dann bezeichnet, wenn wir uns von ihnen gestört fühlen.

Und das hängt nicht unbedingt von der Lautstärke ab: So empfinden die meisten Menschen Meeresrauschen in der Regel als angenehm. Sind sie jedoch Verkehrsgeräuschen in der gleichen Lautstärke ausgesetzt, fühlt sich das meist als unangenehm und störend an. Allerdings: Wie ein Mensch Lärm wahrnimmt, ist sehr subjektiv. Was also für den einen bereits laut ist, kann von einem anderen durchaus als normaler Geräuschpegel empfunden werden. Die bei weitem wichtigste Lärmquelle mittlerweile ist der bereits erwähnte Verkehr. Untersuchungen zufolge ist Verkehrslärm nach der Luftverschmutzung das Umweltproblem mit den zweitstärksten Auswirkungen auf die Gesundheit. Die Europäer verlieren jedes Jahr - konservativ geschätzt - mindestens 1 Million gesunde Lebensjahre durch die gesundheitlichen Auswirkungen von Umgebungslärm. Schon auf Platz zwei liegen häufig die Nachbarn, während Baustellen und Betriebe Rang drei und vier belegen. Lärm wird dabei nicht nur als störend – etwa für die Konzentration – empfunden, sondern kann sich durchaus auch auf die Gesundheit negativ auswirken. Dabei sind zwei Aspekte zu unterscheiden, nämlich die Schäden am Gehör selbst und die psychischen Auswirkungen einer dauernden Lärmbelästigung. So sind etwa in Deutschland Tinnitus und Schwerhörigkeit mittlerweile zu Volkskrankheiten geworden. Rund 15 Prozent der Jugendlichen hören bereits so schlecht wie 50jährige. Und es geht noch weiter: Ist man langfristig lautem Straßenverkehrslärm ausgesetzt, steigt etwa das Risiko für Herzkreislaufkrankheiten. Wer deshalb sogar unter Schlafstörungen leidet, hat weiters ein deutlich höheres Risiko für Allergien, Bluthochdruck und Migräne erheblich. Die Schmerzgrenze für unsere Ohren liegt bei 120 Dezibel, aber auch Straßenlärm mit rund 80 Dezibel kann auf Dauer krank machen.

Lärm zu reduzieren oder gar zu vermeiden, ist daher unumgänglich. Man sollte daher sein Verhalten immer dahingehend überprüfen, ob nicht andere dadurch gestört werden können. Oft wird zum Beispiel unterschätzt, wie deutlich ein laufender Geschirrspüler oder eine in Gang gesetzte Waschmaschine abends oder in der Nacht in anderen Wohnungen wahrgenommen werden. Gleiches gilt für Gespräche im abendlichen Garten oder auf dem Balkon. Aber nicht nur Luftschall, sondern auch die Übertragung von Trittschall von einem Raum zum anderen kann den Nachbarn den Schlaf rauben. Gegenseitige Rücksichtnahme ist also unumgänglich – auch, um Nachbarschaftsstreitigkeiten zu vermeiden. Ein Mittel dazu ist die Einhaltung von Nacht- und Ruhezeiten, die auch in der Hausordnung stehen. Während erstere üblicherweise von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens angesetzt wird, gelten die Stunden von 6 Uhr bis 7 oder 8 Uhr sowie von 20 Uhr bis 22 Uhr häufig als Ruhezeiten. Sonn- und Feiertage gelten ebenfalls in der Regel als Ruhezeiten. Dabei werden besondere Anforderungen an das Verhaltensweisen, den Betrieb von Geräten, Freizeit- und Sportanlagen und ähnliches gestellt.

So laut ist unsere Umwelt
Lautstärke    

  • 1 Dezibel    Hörschwelle - der Mensch kann Geräusche wahrnehmen
  • 10 Dezibel    Raschelndes Blatt
  • 60 Dezibel    Normales Geräusch
  • 80 Dezibel    Verkehrsreiche Straße, Autobahn
  • 85 Dezibel    Die Schallwellen können die Gehörzellen schwächen und bei dauernder Belastung zerstören.
  • 90 Dezibel    Schwerer Lkw
  • 110 Dezibel    Diskothek
  • 120 Dezibel    Schallwellen werden als Schmerz empfunden
  • 130 Dezibel    Flugzeuglärm

 

Tipps für mehr Stille

  • Halten Sie Ruhezeiten ein.
  • Machen Sie nicht mehr Lärm als unbedingt erforderlich ist.
  • Verzichten Sie auf Spielzeug, das dauernd Lärm produziert – oder beschränken Sie das Spielen der Kinder damit.
  • Überprüfen Sie kritisch die Lautstärkeeinstellung von Radio, Fernseher usw.
  • Überlegen Sie, ob bei manchen Tätigkeiten ein Hörschutz sinnvoll wäre – etwa beim Rasen mähen oder Heimwerken.
  • Setzen Sie auf Stille: Müssen Sie ununterbrochen von Radio, CD-Player oder Fernseher beschallt werden? Bauen Sie Phasen der Stille in Ihren Alltag ein.

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Redaktion Bauwohnwelt