Multiroomsysteme - Musik clever in der Wohnung verteilen

Eine Anlage und zwei Boxen sind Geschichte. Mit Multiroomsystemen kann Musik drahtlos in der ganzen Wohnung verteilt werden. Auf der IFA zeigten viele Hersteller ihre Visionen der schönen neuen Musikwelt - und die sehen recht unterschiedlich aus


Online seit: 10.09.2015 | Themenbereich: Trends & Lifestyle
Multiroomsysteme - Musik clever in der Wohnung verteilen

Die Stereoanlage steht im Wohnzimmer, man will den Lieblingssong aber auch in der Küche beim Abspülen hören. Und das, ohne die Nachbarn durch hohe Lautstärke zu stören? Dann braucht man entweder weitere Boxen mit ziemlich langen Kabeln - oder Lautsprecher mit Multiroomfunktion.

Das sind meist Aktivboxen oder Audiosysteme, die Musik über das Heimnetzwerk verteilen und auf diverse Klangquellen zurückgreifen - von der klassischen Anlage über das Smartphone bis hin zu internetbasierten Streamingdiensten. Multiroom war auf der diesjährigen Elektronikmesse IFA (Besuchertage 4. bis 9. September) einer der großen Trends im Audiobereich. Neben Marktführer Sonos und schon etwas etablierteren Größen wie Raumfeld oder Denon zeigten auch andere Hersteller interessante Konzepte, wie Musik nicht nur abgespielt, sondern auch vom Smartphone, Tablet, Computer, Medienserver oder Internetstream intelligent in verschiedene Räume der eigenen Wohnung verteilt werden kann.

Dann läuft zum Beispiel im Wohnzimmer der Fernseher, und der Ton des Fußballspiels wird ins Arbeitszimmer übertragen - während in der Küche das Radio läuft, und die Kinder ihre Lieblingslieder aus dem Netz streamen.

Yamaha setzt bei seinem Musiccast-System auf Vielseitigkeit: 23 Produkte mit WLAN, Bluetooth, DLNA und AirPlay vom kleinen Lautsprecher, über die Kompaktanlage und die Soundbar bis hin zum AV-Receiver für mehrere tausend Euro gibt es zum Start. Jedes einzelne davon kann als Ausgangspunkt für ein Multiroom-System genutzt und um weitere Komponenten mit Musiccast erweitert werden. Auch Bluetoothboxen von Drittanbietern werden - wie bei den meisten anderen Systemen auch - unterstützt. Eines ist bei Musiccast aber anders. Jedes einzelne Gerät kann innerhalb des Boxenverbundes senden - im Gegesatz zu vielen Konkurrenzprodukten, die auf ein Sendemodul und Empfängerboxen setzen.

Die Steuerung geschieht per Smartphone-App. Sie erlaubt das Anlegen von Raumprofilen und das Ansteuern einzelner Lautsprecher.
Auch Samsung zeigte in Berlin vernetzte Lautsprecher. Die Südkoreaner sind in ihrem kalifornischen Audiolabor aber zu einer anderen Lösung gekommen: 360-Grad-Boxen Tonnen- oder Eierform. "Die Hörgewohnheiten haben sich verändert", sagte Produktmanager Steffen Greb.

Statt mehrere Lautsprecher auf einen zentralen Punkt auszurichten, sorgen die Lautsprecher der R-Serie für gleichmäßigen Klang im ganzen Raum. "Den Sweetspot gibt es nicht mehr. Man hört Musik heute mehr nebenbei und bewegt sich dabei." Auch Samsungs Boxen werden per App angesteuert. Über das Smartphone- oder Tabletprogramm können die Boxen in Gruppen sortiert werden - etwa eine für simultane Beschallung von Küche und Wohnzimmer. Auch der Zugang zu Streamingdiensten ist integriert. 200 bis 400 Euro kosten die neuen R1-, R3 und R5-Boxen - je nach Größe.

Beim Blick auf das Angebot an Multiroomsystemen zeigt sich schnell, dass alle Hersteller Wert auf entweder ansprechendes oder eben unauffälliges Design setzen. Bei Yamaha ist bei fast jedem Modell Metall im Spiel, Samsung setzt auf hochwertigen Kunststoff, Panasonic auf Lochbleche und berührungsempfindliche Oberflächen. Einen echten Designausreißer leistet sich das finnische Unternehmen Unmonday - und auch die Bedienung ist einzigartig.

Die drahtlose Streamingbox Unmonday 4.3 Volume 2 hat einen Klangkörper aus Keramik und kann als stationäres Modell oder mit Batterie unterwegs genutzt werden. Ist die Box einzeln im Einsatz, gibt sie Musik oder Radiosendungen in Mono wieder. Kommt ein zweites Gerät hinzu, können die Boxen auch Stereosound abspielen. "Dazu dreht man die sechseckige Box eine Ecke weiter", erklärte Entwicklungsdirektor Jukka Illi. Nach rechts, für den rechten Tonkanal, nach links für den linken. Per App werden die Designerboxen ins Heimnetzwerk eingebunden, können dort gruppiert oder individuell angesteuert werden. Rund 500 Euro muss man für einen der ab Oktober erhältlichen Keramiklautsprecher investieren, mit Batterie noch einmal 100 mehr.

Beinahe jeder große und viele kleine Hersteller zeigten in diesem Jahr Multiroom-Lösungen auf der IFA. So auch Philips mit der Lautsprecherreihe Izzy oder Panasonic mit der All-Reihe, deren verschiedene Boxen sich etwa auch zu Surround-Systemen kombinieren lassen - die richtig Anzahl und Art vorausgesetzt. "Multiroom ist eines der größten Wachstumselemente im Audiobereich", so Timm Lutter vom IT-Verband Bitkom. Das liegt vor allem daran, dass Smartphones und Streamingdienste als Klangquellen immer wichtiger werden. Millionen Netznutzer streamen bereits Musik.

Weil das nicht nur über Smartphonelautsprecher und Kopfhörer passieren soll, steigt der Bedarf an drahtlosen Boxen. Durch den Fortschritt in der drahtlosen Übertragung ist das mittlerweile in immer besserer Qualität möglich. Die höherpreisigen Systeme unterstützen häufig verlustlose Übertragung in HD-Audio.

Meist setzen die Hersteller bei der Verbindung der Boxen auf eigene Standards. Philips verbindet seine Izzy-Lautsprecher etwa über ein Izzylink genanntes System, auch Yamahas Musiccast und viele andere Systeme nutzen eigene Standards. Die Wahl des Systems sollte deswegen gut überlegt sein. Zwar erlauben viele Hersteller das Einbinden fremder Boxen, den vollen Funktionsumfang erreichen sie aber nicht. Mit dem Kauf des ersten Bausteins für die clevere Musikverteilung in den eigenen vier Wänden, bindet man sich damit meist auch für längere Zeit an einen Hersteller.

 

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Redaktion Bauwohnwelt