Unsere Wohnung spiegelt unsere Seele

Wir leben in Zeiten, in denen Vieles in unserem Leben psychologisiert wird: Alles, was wir vermeintlich nicht tun oder tun, es scheint von Bedeutung. Die Art, wie wir unseren Wohnraum gestalten, tut dies mit Sicherheit auch.

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Online seit: 13.12.2014 | Themenbereich: Innenausstattung
Unsere Wohnung spiegelt unsere Seele

Machen wir also einen klärenden Gang durch die Räume unseres alltäglichen Lebens. Dabei ist wichtig, dass die Herangehensweise spielerisch ist und bleibt: Es gibt weder gut noch schlecht und keine Gründe, sich selber anzuklagen und zu kritisieren; vielleicht aber die Lust und Freude, eigenes Wohnen ganz neu zu gestalten und zu leben.

Ordnung oder Chaos

In Wohnräumen ist meist das Augenfälligste das Maß an Ordnung oder auch an Chaos. Hier spiegeln sich sehr wichtige Lebensfragen, so etwa für den zwanghaft Ordentlichen: Kann ich auch entspannen? Warum muss ich alles kontrollieren und im Griff behalten? Wer sich nun mehr dem Chaos zugehörig fühlt, der kann sich fragen: Wovor habe ich Angst? Womit blockiere ich den Fluss meines Lebens? 

Diese Themen können sich in verschiedenen Räumen unterschiedlich zeigen, was dann noch einmal präzisere Hinweise gibt, wie später zu zeigen ist. Besondere Aufmerksamkeit sollten bei den Themen Ordnung und Chaos Abstellräume, Dachböden und Keller erfahren: Diese stehen nämlich für das, was wir beiseitegelegt haben, was aber noch zu uns gehört: Also alles Verdrängte und Unbewusste. Ein bewusstes Aufräumen und Ordnen dieser Räume hat manchen Menschen schon weiter gebracht als Dutzende von Psychotherapiesitzungen. 

Leben - Essen - Lieben und Schlafen

Der zentrale Raum der meisten Wohnungen und Häuser ist das Wohnzimmer, eventuell auch eine Wohnküche. Was sich hier zeigt, hat elementare Bedeutung. Es spiegelt den Lebensmittelpunkt wieder und im Idealfall Lebenskunst: Wir halten die Balance zwischen Aktivität und Entspannung. Hier laden wir Gäste ein (oder auch nicht), und so zeigen sich hier auch soziale Unsicherheiten und Ängste. Wenn der zentrale Wohnraum wie geleckt ist, und der Rest versinkt im Chaos, dann stellt sich die Frage: Trage ich auch sonst eine Maske, und was steckt eigentlich dahinter?

In Küchen zeigt sich, wie wir für unser leibliches Wohl sorgen. Der Blick in einen Kühlschrank verrät viel darüber, ob ich genieße oder mir, aus welchen Gründen auch immer, leibliche Genüsse versage. Essen kann auch als Kompensation entgleiten, meist zeigen sich hier orale Themen oder ein Mutterthema. Küchen spiegeln auch unsere Fähigkeit für Tagesstruktur und Planung.

Das Schlafzimmer zeigt zum einen unseren Selbstwert. Schlafprobleme verweisen auf unbewusste Ängste und Sorgen und lassen sich  durch Umgestaltung dieses Raumes oft verbessern: Meist fehlt es dann auch an Ruhe, Ordnung und Klarheit. Für Schränke gilt Ähnliches wie bereits für Abstellräume und Keller festgestellt. 

Nicht zuletzt ist das Bett auch Ort unserer Liebesfreude oder unserem Liebesleid und unerfüllter Sehnsucht. Mut zu romantischen Farben, sinnlichen Stoffen und ein bisschen Märchenflair können einen ersten Schritt in ein erfüllteres Leben bedeuten.

Was noch übrig bleibt

Garage, Schuppen und Garten spiegeln meist die Männerwelt und dementsprechend auch Vaterthemen. Auch Außenwirkung ist hier Fokus, denn diese Aspekte von Wohnen werden schon sichtbar, bevor man eine Wohnung oder ein Haus betritt. 

Mit dem gleichen neugierigen, aber immer wohlwollenden Blick kann man sich seine Arbeitswelt ansehen und die Gestaltung eines eigenen Büros oder auch Schreibtischs.
Es sei noch einmal an den Anfang erinnert: Solche Betrachtungen sind nur konstruktiv, wenn sie ohne Wertung vorgenommen werden. Entscheidend ist auch nicht der Grad von Ordnung oder Unordnung. Wenn man aber ehrlich zu sich selber ist, dann spürt man, ob man sich in einem Raum gut fühlt oder nicht. 

Chaos kann zu gemütlicher Ordnung gebracht, sterile Langeweile aufgefrischt werden. Wer hier Fortschritte macht, dessen Leben wird viel leichter, und das ohne einen Psychoanalytiker.


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Redaktion Bauwohnwelt