Ökologische Dämmstoffe

Mit welchem Dämmstoff gebaut oder saniert wird, ist Geschmackssache. Wichtig ist das Endergebnis: Die Energieeffizienz. Bauherren, die nachhaltig bauen oder sanieren wollen, müssen sich die Frage stellen, wie diese erreicht wird.


Online seit: 14.03.2016 | Themenbereich: Baustoffe
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Ökologische Dämmstoffe

Der Blick auf das Ganze macht den Unterschied

Wärmedämmungen haben nicht nur durch ihre Dämmleistung Einfluss auf unsere Umwelt, sondern auch durch ihren Rohstoff- und Primärenergieverbrauch bei der Herstellung sowie ihre Lebensdauer und ihre Wiederverwertbarkeit - so lassen sich zum Beispiel geklemmte und lose verlegte Dämmstoffe einfacher rückbauen als mechanisch befestigte. Mechanisch befestigte leichter als geklebte. Eine lose in einer Holzständerwand verlegte Dämmung ist ökologisch besser, da leichter zu entsorgen, als ein Wärmedämmverbundsystem.
Lebenszyklus-Analyse

Man muss den ganzen Lebenszyklus betrachten. Erst ein Vergleich der Umweltauswirkungen von Dämmstoffen während eines angenommenen Lebenszyklus, von z.?B. 20 Jahren, erlaubt eine realistische Beurteilung darüber, welches Produkt im Endeffekt besser für die Umwelt ist. Erst eine solche Analyse erlaubt eine ganzheitliche Betrachtung der Umwelteinflüsse von Dämmstoffen. Ein Produkt mag vielleicht mit einem geringeren Ausstoß an Treibhausgasen bei der Herstellung und dem Transport als andere Produkte aufwarten können, aufgrund einer höheren (und somit schlechteren) Wärmeleitfähigkeit jedoch im Laufe seines Produktlebens weniger Energie einsparen als andere Produkte.

Umgekehrt kann ein Dämmstoff vielleicht bei der Herstellung einen höheren Energiebedarf benötigen, aber aufgrund besserer technischer Eigenschaften (geringere Wärmeleitfähigkeit) insgesamt umweltfreundlicher sein.

 

Umweltwirkungen

Bei einer Lebenszyklus-Analyse werden sämtliche Umweltwirkungen während der Produktion, der Nutzungsphase und der Entsorgung des Produktes, sowie die damit verbundenen vor- und nachgeschalteten Prozesse (z. B. Herstellung der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe) berücksichtigt. Zu den Umweltwirkungen zählt man sämtliche umweltrelevanten Entnahmen aus der Umwelt (z. B. Erze, Rohöl) sowie die Emissionen in die Umwelt (z. B. Abfälle, Kohlendioxidemissionen).

Häufig wird bei der Auswahl des Dämmstoffes der Entsorgungsaspekt vernachlässigt, jedoch machen gerade Abfälle aus dem Bauwesen einen enormen Anteil des Abfallaufkommens in Österreich aus.

Bei fossilen Dämmstoffen erschweren vor allem die Klebstoffrückstände (z. B. von EPS- und XPS-Platten auf dem Untergrund) das Recycling, da das Material bislang nur sortenrein (also ohne Zusätze) recycelt werden kann. Aus diesem Grund wird der Großteil der Reststoffe thermisch verwertet (verbrannt). Zurzeit wird an einer Optimierung von Recyclingverfahren bzw. an neuen Verfahren gearbeitet: Ziel ist es, mit deren Hilfe aus EPS-Abfällen ein wiederaufschäumbares Polystyrol herzustellen. Außerdem soll das Volumen der Abfälle reduziert werden, um die Transportkosten zu senken und ein Recycling rentabel zu machen.

Pflanzliche Dämmstoffe an sich sind biologisch abbaubar (kompostierbar), jedoch ist auch hier zu berücksichtigen, dass in manchen Fällen wie bei Zellulose und Schafwolle Zusatzstoffe als Schutz vor Brand und Insekten eingesetzt werden. Handelt es sich bei den Zusätzen um Stoffe auf synthetischer Basis, wird die Kompostierbarkeit des gesamten Dämmstoffes verschlechtert, und das Produkt muss ebenfalls auf einer Deponie entsorgt werden (falls keine Trennung von Dämmmaterial und Zusatzstoff möglich ist).

 

Darauf kommt es an

Die Auswahl an Dämmstoffen ist groß. Es ist wichtig, den für den jeweiligen Einsatzbereich richtigen Dämmstoff auszuwählen. Der Dämmstoff im Kellerbereich muss zum Beispiel andere Eigenschaften haben als ein Dämmstoff an der Außenwand.


• Wärmeleitfähigkeit (A-Lambda-Wert)
• Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert)
• Wasserdampf-Diffusionsfähigkeit (p-Wert)
• Druckfestigkeit, Belastbarkeit je nach Einsatzbereich
• Verarbeitung / Einbau
• Umweltbelastung und Energiebedarf bei der Herstellung
• Verfügbarkeit der Rohstoffe
• Wiederverwendung bzw. Entsorgung


Begriffe schnell erklärt

Wärmeleitfähigkeit X [W/mK]:
Die eigentliche Funktion des Dämmstoffes, die Wärmeverluste zu reduzieren, wird mit der sogenannten Wärmeleitzahl Lambda (A) beurteilt. Je kleiner der Lambda-Wert, umso besser die Dämmwirkung. Schlechtere Lambda-Werte können durch höhere Dämmstoffstärken ausgeglichen werden.

Wärmedurchgangskoeffizient U-Wert [W/m2K]:
Der U-Wert ist ein Maß für die Wärmeverluste durch einen Bauteil und bezieht neben der Wärmeleitzahl auch die Dicke der Bauteilschicht ein. Je kleiner der U-Wert eines Bauteils, desto besser ist die Wärmedämmung.

Dampfdiffusion p:
Die Dampfdiffusion wird durch den p-Wert (sprich: [mü-Wert] = Dampfdiffusionswiderstand) beschrieben und mit der Materialstärke des Bauteils multipliziert. Der so ermittelte Wert sollte von innen nach außen abnehmen, damit der Transport der Luftfeuchtigkeit nach außen nicht behindert wird. Ist dies nicht gewährleistet, muss auf der Innenseite eine Dampfbremse angebracht werden, um das Eindringen der Feuchtigkeit in die Konstruktion zu bremsen. Feuchtigkeit im Dämmstoff vermindert nämlich in der Regel die Dämmwirkung und kann Bauschäden hervorrufen.

 

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