Sanieren bei Denkmalschutz - darauf sollten Sie achten

Alte Bauwerke sind ein echter Schatz - auch dann, wenn sie nicht unter Denkmalschutz stehen. Welche Fehler man bei der Sanierung aber unbedingt vermeiden sollte, lesen Sie hier.


Online seit: 20.07.2015 | Themenbereich: Sanierung
Sanieren bei Denkmalschutz - darauf sollten Sie achten

Fehler Nummer Eins: Falsche Baumaterialien

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Viele moderne Baustoffe sind der langsame, schleichende Tod alter Bausubstanz. Moderne Baustoffe haben ganz andere Charakteristika, die sich häufig mit historischer Bausubstanz nicht vertragen. Besonders problematisch sind dabei Zementbaustoffe, wie Beton oder moderne Mörtel mit zahlreichen chemischen Zuschlägen.

Sowohl im Fachwerkbau als auch bei Sandsteinbauten sollte man Zement und alle hoch zementhaltigen Baustoffe meiden, wie der Teufel das sprichwörtliche Weihwasser. Das gilt auch für zahlreiche andere historische Bauweisen. Zement greift sowohl Holz als auch viele andere historische Baumaterialien an und beschädigt sie unwiderruflich. Das gleiche gilt für viele andere moderne Baustoffe, wie diffusionsdichte Putze, Abdichtmaterialien oder Farben. Wer sich daran macht, ein historisches Gebäude zu sanieren, sollte sich auf jeden Fall ausreichend mit den historischen Baumaterialien vertraut machen, und auch mit den früheren Arbeitstechniken. Oder sich an Handwerksbetriebe wenden, die über dieses Wissen verfügen.

Fehler Nummer zwei: Ein historisches Gebäude ist kein Effizienzhaus

Einer der ebenfalls sehr weit verbreiteten Fehler ist, aus einem historischen Gebäude ein Effizienzhaus machen zu wollen, um noch den letzten Cent an Heizkosten zu sparen. So verständlich dieses Anliegen ist, so tödlich ist es für ein altes Gebäude. Es luftdicht einzupacken, ist sein sicherer Tod - und zwar schneller als Ihnen lieb sein wird. Es ist ja noch nicht einmal sicher, wie sehr der moderne Dämmwahnsinn die moderne Bausubstanz schädigt, und ob auch moderne Gebäude in der Lage sind, auch zweihundert oder dreihundert Jahre bewohnbar zu bleiben.

Wenn Sie sich entschieden haben, in einem lebenden, atmenden, alten Haus zu leben, anstatt in einer luftdichten Plastiktüte, dann bleiben Sie diesem Entschluss treu. Ihr Gebäude wird es Ihnen in jedem Fall danken - und vielleicht noch weitere zwei- oder dreihundert Jahre bewohnbar bleiben.

Gebäude, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts oder früher gebaut wurden, sind nach völlig anderen bauphysikalischen Konzepten errichtet. Diese Konzepte sind verantwortlich für die Auswahl der Baumaterialien, und vor allem für die Bautechniken. Ein intaktes, historisches Gebäude speichert niemals Feuchtigkeit, sondern kann entstehende Feuchtigkeit sehr gut nach außen ablüften. Wenn es das nicht mehr kann, und feuchte Stellen auftauchen, sind bereits - vielleicht auch unabsichtlich - Fehler passiert.

Eine Ausnahme bilden hier alte Gewölbekeller. In ihnen ist ein gewisses Maß an Feuchtigkeit durchaus gewollt gewesen - immerhin wurden dort Lebensmittel gelagert. Für deren Haltbarkeit war ein leicht feucht-kühles Klima am besten. Gewölbekeller waren nie als Wohnräume - oder auch nur als Aufenthaltsräume - gedacht, und dazu lassen sie sich auch heute nicht umfunktionieren. Und Abdichtungen in einem solchen Keller können die gesamte Bausubstanz innerhalb weniger Jahre massiv schädigen.

In Sachen Energieeffizienz sind viele alte Gebäude oft gar nicht so schlecht. Natürlich sind sie kein Effizienzhaus - weil das ein völlig anderes Konzept ist. Aber alte Kastenfenster haben beispielsweise erstaunlich gute U-Werte - oft 1,4 - 1,6 W/(m²K) - wenn sie tatsächlich intakt sind, und das Luft-Konzept des Hauses nicht verändert wurde. Luftdichte Plastikfenster einzubauen wäre hier absolut verfehlt.

Fehler Nummer drei: Zu wenig Gedanken über die Heizung

Dämmungen sind bei historischen Gebäuden immer äußerst problematisch. Innendämmungen ganz besonders, wenn die Fassade erhalten bleiben muss oder soll. Am besten verzichtet man darauf ganz. Das macht es aber natürlich notwendig, sich über die Heizung Gedanken zu machen.

Wer glaubt, mit einer teuren Ölheizung einen Altbau vernünftig heizen zu können, ohne arm zu werden, wird bald eines besseren belehrt. Früher wurde vor allem mit Holz und Kohleöfen geheizt - mit einem hohen Anteil an Strahlungswärme. Eine solche Strahlungsheizung gibt es heute auch in moderner Form: die Infrarotheizung.

Sie erwärmt nicht die Raumluft, die ja in alten Gebäuden flüchtig ist, sondern die Oberfläche der Bauteile und auch den menschlichen Körper. Die Energieeffizienz ist dabei 2,5 mal so hoch wie bei einer Gasheizung - das hat über ein ganzes Jahr gehender Versuch der TU Darmstadt zweifelsfrei erwiesen. Die Kosten liegen dennoch im Bereich einer Gasheizung, weil Strom fast dreimal so teuer ist wie Gas. Immerhin bietet das aber eine vernünftige, skalierbare und überall problemlos anzubringende Alternative. Da Infrarotheizungen Räume innerhalb von 5 - 6 Minuten erwärmen können, kann man sie in gerade nicht benutzten Räumen auf ein Mindestmaß herunterregeln. Bei sorgfältiger Planung gibt es hier viele Möglichkeiten - sogar einige komplett unsichtbare, ohne Heizkörper und ohne Installation, aber mit gesunder Wärme an jedem Punkt im Raum.

Der bewährte Vorläufer der Infrarotheizung, der groß dimensionierte Kachelofen, hat in alten Gebäuden auch immer noch seine Berechtigung. Ein nachträglicher Einbau ist möglicherweise ziemlich kostenintensiv, lohnt aber auf lange Sicht auch mit günstigem Heizmaterial (z.B. Hackschnitzel oder günstiges Scheitholz), das zudem relativ preisstabil ist.

In jedem Fall lohnen sich in Altbauten ganz sicher Strahlungsheizungen viel eher als Konvektionsheizungen. Dann kann man den gesunden Luftwechsel auch so lassen, wie er zweihundert Jahre lang gut war.

Fehler Nummer vier: Bauschäden nicht beachten

Feuchtigkeit, kalte Stellen, wo sie eigentlich nicht sein dürften, Luftzüge oder Schimmelbildung sind Anzeichen, die auf Schäden in der Bausubstanz hinweisen. Wer diese Zeichen nicht ernst nimmt, riskiert noch viel größere, dann oft nicht mehr so einfach zu behebende Schäden.

Wenn man seine Innenwände mit Dispersionsfarbe gestrichen und darunter mit einem modernen Spritzputz verputzt hat, muss man sich natürlich nicht wundern. Die meisten alten Gebäude vertragen nur wenig anderes als den altbewährten Luftkalkputz, fallweise sind einfache Gipsputze auch eine gute Alternative. Schwieriger wird es, wenn die Ursache nicht sofort ersichtlich ist. Dann sollte man sich gemeinsam mit einem erfahrenen Experten auf die Ursachensuche machen - und die gefundene Ursache dann mit entsprechenden, historischen Techniken beheben. Sonst schafft man unter Umständen neue und größere Probleme.

Fazit: Kosten, die sich lohnen

In einem alten Haus voll lebendiger Geschichte zu leben, ist ein einmaliges Erlebnis. Man sollte aber auch tatsächlich Liebe und Respekt für die alte Bausubstanz mitbringen, und grundlegend über die Bauphysik alter Gebäude Bescheid wissen. Die Betriebskosten lassen sich nicht so einfach kalkulieren, wie bei einem modernen "Einheits-Einfamilienhaus", wer sich allerdings sorgfältig auch den Kleinigkeiten widmet, wird oft sogar günstiger davon kommen. Es lohnt, wenn man etwas geschickt ist, und mit Verständnis einzelne Dinge auch selbst richten kann - das spart eine Menge an Kosten. Und die alten Handwerkstechniken haben den Vorteil, dass man keine tausend Seiten DIN-Vorschriften benötigt, um es richtig zu machen, sondern lediglich ein bisschen Verstand und Gefühl. Früher konnte das fast jeder. Und das befriedigt auch ungemein, als Hausbesitzer.

 

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Redaktion Bauwohnwelt